Kaffeebohnen unverpackt
Aktuelles,  Küche / Lebensmittel

Zero Waste Fake

Ich bin total begeistert davon, wie stark das Thema Zero Waste in den letzten acht Jahren an Fahrt aufgenommen hat. Bzw. war es vor acht Jahren in Deutschland quasi gar nicht existent. Und nun gibt es so viele Blogs, Podcast, Videos, Social Media Kanäle und Medienberichte darüber berichten, dass man daran kaum noch vorbei kommt, wenn man den Kopf nicht gänzlich in den Sand steckt. Zero Waste ist auf dem besten Wege im Mainstream anzukommen.

Das ist toll und wichtig!

Zero Waste kommerziell

Miteinher gehen leider aber immer auch totaler Bullshit, gerade wenn kommerzielle Anbieter auf den Zug aufspringen. Kommerzielle Anbieter sind nicht per se ein Problem. Ganz im Gegenteil, ohne kommerzielle Anbieter hätten wir weder Unverpackt Läden und Shops die anders verkaufen und notwendiges Zubehör liefern, wir hätten auch niemanden der es produziert. Auch können kommerzielle Anbieter wirklich intrinsisch gute Arbeit querfinanzieren. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich das gleiche tue. Mit unseren Unverpackt Läden und unserem Onlineshop für Zero Waste Spezialprodukte können wir es uns leisten, Bildungsarbeit zu machen, die Unverpackt Szene voranbringen, im Hintergrund immer mehr Ressourcen einzusparen und auch in der Politik unsere Wirkung zu hinterlassen. Und es ist ja zweifelsohne besser, dass Menschen in dem Bereich arbeiten, als in der Autoindustrie oder im Braunkohleabbau oder so.

Aber wir sind in einer Zeit angekommen, wo so ziemlich jeder nachhaltig und müllreduzierend sein will. Es ist halt cool und wichtig (was an sich total genial ist). Wir als kritische Verbraucher (und Menschen) müssen weiterhin genau hinschauen, was wir kaufen und uns erzählen lassen, denn nicht überall wo nachhaltig draufsteht ist auch nachhaltig drin. Und nicht überall wo Zero Waste draufsteht, ist auch Zero Waste drin.

Etikettenschwindel

Ich habe zwar schon viel gesehen, was ich als Etikettenschwindel bezeichnen würde, aber eine Sache stößt mir besonders Sauer auf:

Ihr habt es vielleicht schon in eurem Bioladen oder bei Instagram gesehen. Immer häufiger werden trockene Lebensmittel in Mehrweggläsern, dem Standard Joghurtglas, verkauft. Das Ganze wird dann als Zero Waste verkauft, weil man das Glas ja zurückgibt. Das Mehrwegglas ist eine tolle Alternative zu Einweggläsern und auch wirklich ökologischer, weil das Glas nicht jedes Mal eingeschmolzen werden und neu geformt werden muss. Es ist aber keine ökologische Alternative zu kleinen Plastikverpackungen und schon gar nicht zu Lebensmitteln aus dem Unverpackt Laden.

Warum?

Weil die Verpackung nicht gänzlich Mehrweg ist. Der Deckel wird jedes Mal ersetzt. Er muss also jedes Mal neu produziert werden. Es ist eine ganz einfache Rechnung. Und das ist mehr Material, als die Plastikverpackung. Und hinzu kommen ja auch noch das erhöhte Transportgewicht, der Rücktransport und die Reinigung.

Also, auch wenn es sich irgendwie ökologisch anfühlt, trockene Produkte in einem Mehrwegglas zu kaufen, lasst es lieber sein, denn es ist nicht ökologisch vorteilhaft – gar nicht. Die Arbeit könnt ihr euch einfach sparen.

9 Kommentare

  • Rainer Kirmse , Altenburg

    DER PLANET UND DER MÜLL

    Plastikflut und Wegwerftrend,
    Man konsumiert permanent.
    Der Mensch des Anthropozän
    Lässt sich’s auf Erden gut geh’n.
    Mit Snacks und Coffee to go
    Hält er sein Leben im Flow.
    Der westliche Lebensstil –
    Von Mehrweg hält man nicht viel.

    Wohlstandsmüll bedroht die Stadt,
    Der gelbe Sack ein Feigenblatt.
    Von Müllvermeidung keine Spur,
    Unrat verschandelt Wald und Flur.
    Plastikinseln auf den Meeren,
    Wie lange soll’s noch währen?
    Kommen wir endlich zur Vernunft,
    Vermüllen nicht uns’re Zukunft.

    Homo sapiens muss aufwachen,
    Seine Hausaufgaben machen.
    Die Jagd nach ewigem Wachstum,
    Bringt letztlich den Planeten um.
    Das oberste Gebot der Zeit
    Muss heißen Nachhaltigkeit.
    Statt nur nach Profit zu streben,
    Im Einklang mit der Natur leben.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus Thüringen

  • Jule

    Liebe Olga,sehr oft teile ich deine Meinung, aber bei diesem Thema bin ich anderer Meinung bzw. fehlt mir ein wichtiger Aspekt.
    Zum einen wirfst du mit deinem Beitrag bei mir die Frage auf, was ist mit der Nutzung der Mehrweggläser und -Flaschen für Milcherzeugnisse? Auch hier ist der Faktor Transport, Reinigung und Austausch der Deckel gegeben. Und doch würde ich nicht auf die Idee kommen bzw. Joghurt oder Sahne im Plastikbecher zu kaufen, auch nicht die Variante mit Papier und dünnem Plastik. Denn ein weiterer Punkt spielt da in meine Kaufentscheidung mit rein: Die in Glas verpackten Lebensmittel nehmen keine Schadstoffe aus der Verpackung auf.
    Prinzipiell hast du natürlich recht, es ist wie immer, viele springen auf den Zug auf, da es gerade immer populärer wird unverpackt/ plastikfrei einzukaufen. Auch hier ist es sicher sinnvoll, die Angebote kritisch zu hinterfragen! Liebe Grüße
    Jule

    • Olga

      Für flüssige bzw. Streichfähige nicht trockene Produkte ist die Mehrwegglaslösung bisher auch meine bevorzugte Wahl. Auch aus den von dir genannten Gründen.
      Es gibt sogar regionale Milch und Joghurtproduzenten, die auch Mehrwegdeckel verwenden. Das macht unser Milchbauer auch.

  • Alexandra

    Ja, die Deckel kommen in dem Müll, aber sind im Gegensatz zur Plastikverpackung auch unbegrenzt recyclebar und werden auch recycled. In Deutschland liegt die Recyclingquote von Weißblech bei über 90% (2015, Quelle ThyssenKrupp), die stoffliche Verwertung von Kunststoffen nur bei ca. 16% (Quelle Plastikatlas, 2019), ein großer Anteil Plastik wird leider exportiert und landet ggf. im Meer!

    Interessant wäre deshalb ein ganzheitlicher Vergleich bzgl. Energieverbrauch/CO2-Emission bei Erzeugung und Transport (höheres Verpackungsgewicht des Mehrwegglases) sowie der Bewertung von Folgeschäden (wie Mikroplastik).
    Ist sicher nicht einfach zu beantworten…

    Am besten ist natürlich Verpackungsfrei 🙂

    • Olga

      Die genauen Zahlen liefere ich nach. Der Unverpackt Verband macht gerade ein Forschungsprojekt dazu. 🙂
      Aber schonmal am Rande. Der Deckel enthält auch Kunststoff.

    • Marias Schmidt

      Bei Mehrweggläsern und Deckeln müsste es doch auch darauf ankommen, wie genau das Mehrwegsystem funktioniert. Grundsätzlich sind die Deckel doch „stabil“ und waschbar genug, um sie, genau wie das Glas auch, wiederzuverwenden? In einem Unverpacktladen habe ich es mal erlebt, dass ein Pfandglas ohne Deckel nicht zurückgenommen wurde. Ärgerlich im ersten Moment, aber das ist doch ein Hinweis darauf, dass der Deckel ebenfalls Mehrweg ist. Wenn das also geht – warum machen das dann (Bio)Läden mit Hülsenfruchtgläsern nicht (unbedingt)?

      Gerade bei Produkten wie Milch und Jogurt kommt es meines Wissens nach bei der Umweltbelastung deutlich stärker auf das Produkt selbst an. Wenn es sich um tierische Produkte handelt ist der Ressourcenverbrauch und die Klimabelastung gerade deshalb sehr viel höher (hoher Flächen- und Wasserverbrauch und CO2 Bilanz der Tierhaltung). Deshalb ist meines Wissens nach selbst ein plastikverpacktes veganes Ersatzprodukt ressourcenschonender als die tierische Version unverpackt oder in Mehrwegverpackung.
      Aber hey, auch Hafermilch usw. gibt es ja teils in Mehrwegflaschen 🙂

      • Olga

        Die Deckel werden auch deshalb gerne zurückgenommen, weil sie das Glas beim Transport schützen. Das heisst nicht zwangsläufig, dass sie wiederverwendet werden.
        Man kann sie auch eingeschränkt einige Male wiederverwenden. Kleinere Manufakturen machen das auch. Sie halten aber nur einige Male dicht, dann müssen sie ausgetauscht werden. Leider oxidieren die Deckel auch mit der Zeit, besonders bei säurehaltigen Lebensmitteln.
        Grundsätzlich sind Läden aber nicht diejenigen, die die Gläser aufbereiten, sondern große Spülstraßen. Kommen die Gläser in diesen Prozess, wir der Deckel nicht wiederverwendet.
        Vegane Produkte haben nicht grundsätzlich eine bessere Klimabilanz als tierische. Die schlechte Klimabilanz unserer Tierprodukte liegt vor allem daran, dass die Kühe nicht mehr auf der Weide stehen, sondern mit Kraftfutter gefüttert werden. Weiden an sich binden unglaublich viel CO2. Oft mehr als Wälder.
        Kühe auf der Weide, sind aber natürlich nur dann möglich, wenn wir alle deutlich weniger Tierprodukte konsumieren.
        Und ich lieben die Hafermilch in der Mehrwegflasche 🙂

Schreibe einen Kommentar zu Jule Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.