Ich habe noch kein eigenes Kind, aber die Verena schon. Deshalb hier ihr Gastbeitrag über Stoffwindeln.

Der Erfahrungsbericht

Gastbeitrag von Verena Klaus, Köln, Bloggerin von Simply Zero

Wenn man sich mit Eltern über Windeln unterhält, hat jeder eine andere Meinung über die Beste, aber ziemlich eindeutig spielt die Mehrwegvariante meistens keine Rolle. Selbst beim Vorbereitungskurs im Geburtshaus, dort trifft man ja noch eher “alternative” Paare, hatten in unserer Gruppe nur 2 von 12 Paaren vor, es mit Stoff zu versuchen. Beide mit klassischen Bindestrickwindeln und Wollüberhose, die einen hielten etwa 3 Monate durch, die anderen sind als Selbstversorger ohne Auto auf’s Land gezogen, ob sie noch mit Stoff wickeln oder ein Windelabo abgeschlossen haben (die Post soll ja auch außerhalb der großen Städte ausliefern ), keine Ahnung.

Und wir? Waren anfangs noch unentschieden, ob wir die richtige Variante für uns rausfiltern können. Stundenlang habe ich mich auf den verschiedenen Seiten, in Foren usw. rumgetrieben und am Ende war ich auch nicht wirklich schlauer. Wir haben dann verschiedene Modelle gebraucht erstanden und ausprobiert.

Baumwollwindel und Wollüberhose war zwar vom Gefühl her toll, natürliche Stoffe, etwas Pipi an der antibakteriellen Wolle kann man problemlos trocknen. Doch sehr bald begann der Sohn das Strampeln… sieht zwar lustig aus, so ein unbeweglicher Käfer im Windelpaket, aber ein bisschen leid tat er mir. Vorteil: Preis, guter Gebrauchtmarkt, Wollüberhosen optimieren ihre Feuchtigkeitseigenschaften mit der Zeit.

Dann die All-In-One-Windel von ImseVimse. Die Außenschicht aus Polyester, eine wasserdichte Schicht laminiertes Polyurethan, mit dem das Baby nur an den Beinbündchen in Berührung kommt und innen Biobaumwolle in mehreren Lagen. Super Teil und sie sind unschlagbar dünn, so dass man nicht den typischen Stoffwindelpopo erkennt. Nachteil: Nicht größenverstellbar, so dass man in jeder Kleidergröße ein neues Paket kaufen muss. Bei uns ergab es sich dann so, dass wir in den ersten Größen jeweils 2-3 Gebrauchte hatten, also eher so für’s “Gefühl”.

Als ImseVimse  dieses Jahr eine Mehrgrößenwindel herausgebracht hat, war mein Sohn schon ein halbes Jahr alt. Erstmals habe ich eine NEUE Windel bestellt. Sie hat mich dann deshalb nicht überzeugt, weil die Beinbündchen bei meinem Kind nicht optimal sitzen und ich die Materialwahl der Saugeinlage nicht mag. Wir benutzen das Testmodell trotzdem, Windel ist Windel.

Gemeinsam mit der neuen ImseVimse habe ich noch die “Totsbots BumGenius” und die “CloseParent PopIn NewGen V2” (Kein Scheiß, so heißen die!!!) probehalber bestellt. Die BumGenius hat auch wegen der Beinbündchen und dem relativ großen Windelpaket nicht überzeugt, die PopIn hat mir…nun ja… Freudentränen in die Augen getrieben. Tadaaaa, hier war sie, MEINE perfekte Windel. Nach ein paar Nächten Drüberschlafen und einem Gespräch mit meinem Mann über diese Investition, habe ich schließlich noch weitere 11 Windeln bestellt und zum 1. Geburtstag haben wir uns nun noch einmal eine Handvoll schenken lassen.

Seitdem weiß ich: ES LOHNT SICH, DURCHZUHALTEN!!! Es lohnt sich, entgegen Sprüchen wie “Also, dass wär ja nix für mich…” und “Aber mach dir da nicht so viel Stress mit, ja?” seinen Weg zu gehen. Am Ende des Tages legt man entspannt noch ein paar Windeln zusammen, wenn sich die Anderen durch die Drogerie kämpfen, weil ihnen kurz vorm Wochenende eingefallen ist: Oh Schreck, unsere Windeln sind aus!!!

Jetzt habe ich meinen 13-monatigen über 2000x gewickelt und freue mich über jede Stoffwindel, die ich benutze! Ein langer Weg bis zum (fast) kompletten Mehrwegwindelwickeln. und ohne Rückendeckung nur unserer Hartnäckigkeit zu dank, dass wir 7 Monate nach der ersten Windel “unser” perfektes Stoffmodell endlich gefunden hatten.

ZeroWasteLifestyle_popv2_action_500px

Mehrwegwindel in Action

So sehr ich schon die Skepsis gegenüber Stoffwindeln gespürt habe – meine Mutter ignoriert beispielsweise standhaft die bereitgelegte PopIn und holt die Notfall-Pampers aus dem Regal – so viel größer sind die Vorurteile gegenüber “Windelfrei”, der Methode, die in anderen Kulturen nach wie vor weit verbreitet ist, doch zunehmend durch das aggressive Marketing des größten Windelproduzenten Procter&Gamble verdrängt wird. Ich kannte die Methode, als mein Sohn geboren wurde und habe mich nicht so wirklich rangetraut. Es gibt heute halt niemanden in der Familie, der einem darüber etwas erzählen kann. Als Dezemberkind konnten wir unseren Sohn auch nicht dauernd “unten ohne” liegen lassen, glaubte ich. Und als ich, da war er schon einige Monate alt, meiner Mutter erzählte, dass ich seine Signale erkannt hatte und ihn schnell über der Toilette abgehalten habe, war sie mehr als irritiert und hielt es für eine Stresssituation für’s Kind, als setze ihn das unter Druck.

Dabei gibt es von Beginn an nichts Schöneres für ihn als nackig zu sein. Genauso ist Licht, Luft und Feuchtigkeit das Beste für Babyhaut und ich merke immer wieder, wenn er mal nackig sein Geschäft verrichtet, dass er sehr fasziniert von diesen Vorgängen ist. Vor allem auch wir Erwachsenen haben heute ein gestörtes Verhältnis zu Ausscheidungen, das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich das Kind so unbefangen sehe, da es noch nicht weiß, dass es das mal eklig finden muss.

Ich glaube, ich werde mich noch mit jemandem zusammensetzen, der mir beim Signale-deuten hilft und beim nächsten Kind mutiger sein. Wenn ich zurückdenke an die ersten Wochen und wie oft mit den Einwegwindeln am Anfang etwas danebengegangen ist…Kann ich mir nicht vorstellen, dass ich mit “Windelfrei” mehr Dreckwäsche habe als ohne.