Endlich ist es mal wieder Zeit alle Stöcke aus den Pos zu ziehen und sich richtig gehen zu lassen. In einer Gesellschaft, in der wir uns, und das was wir tun viel zu ernst nehmen, tut es gut, ab und an mal alle Etikette fallen zu lassen, sich bunt anzuziehen und mit dem wildfremden Nebenmann zu schunkeln. Ich mag Karneval.

Allerdings auch nicht immer. Wenn ich sehe, wie oft nicht nur die Etikette fällt, sondern jegliche Besinnung, bin ich immer wieder schockiert und traurig zu gleich. Wer sich bis zur Besinnungslosigkeit betrinkt, hat offenbar etwas, was er versucht zu betäuben. Ich fühle mich zu dieser gewagten These berechtigt, denn ich kenne das noch aus meiner eigenen Pubertät. Wer also dieses Bedürfnis verspürt, sollte sich fragen, ob nicht etwas grundlegendes im Leben falsch läuft.

Seelenrettung ist aber gar nicht mein Thema, sondern nur häufig ein netter Nebeneffekt. Was mich viel mehr beschäftigt, sind die Auswirkungen der Besinnungslosigkeit. Es wird gesoffen und gefressen von Plastiktellern und aus Plastikbechern und dann heißt es aus den Augen, aus dem Sinn. Tonnenweise Kamelle landen im Mülleimer oder sogar dort, wo keine Kehrmaschine hinkommt. Die Kostüme müssen möglichst billig sein und sehen auch so aus. Der billige Stoff ist aus konventionellem,  Pestizid belastetem Anbau oder gleich aus rein synthetischen Stoffen auf Erdölbasis. Die Färbemittel sind gesundheits- und umweltschädlich und Verarbeitungsqualität ist meist so gering, dass das Kostüm, nach wenigem Tragen schon in die Tonne muss. Das gleiche gilt für haufenweise Plastikaccesoirs, die natürlich zum Kostüm dazu gehören und meistens auch China stammen.

Meine Tipps für den etwas besinnlicheren Karneval:

Verliere nicht gleich all deine Beherrschung, auch im Karneval bist du verantwortlich für das was du tust. Mit dem Nubbel lässt sich eben doch nicht alles Verbrennen. Auch im Karneval brauchst du deinen Müll nicht in der Gegend rumzuschmeißen. Auf dem Zug hilft der selbst mitgebrachte Becher, dem Plastikbecherwahn zu entkommen. Die kleinen Häppchen für zwischendurch liegen in der wiederverschließbaren Dose viel besser als in Alufolie und Plastiktüte. Und der wahre Inhalt des Karnevalszuges sind doch nun wirklich nicht die billigen Süßigkeiten, die dort fliegen. Setzte ein Zeichen und lasse sie einfach liegen, stoße mit deinem Zugnachbarn an und freue dich über das bunte Treiben und die Botschaften der Mottowagen. Vielleicht gibt es ja bald mal einen mit einer Weltkugel, die in einem Müllberg zu ersticken droht.

Gehst du sogar im Zug mit, stellt sich die Frage, wenn es unbedingt Kamelle sein muss, was kann man werfen, was die Umwelt nicht in den Hintern tritt. Wie wäre es mal mit Erdnüssen?! Eigentlich die perfekten Kamelle, ohne Plastik, aber trotzdem verpackt, absolut harmlos, wenn sie auf dem Grünstreifen liegen bleiben und dazu auch noch leckerer als die meisten Bonbons.

Wenn es zur Kostümauswahl geht, kauf dir nicht jedes Jahr ein neues. Bastel einfach mal etwas selbst, das sieht sowieso viel schöner aus. Gerade in den Karnevalshochburgen gibt es auch Secondhandläden für Karnevalskostüme, oder wie wäre es damit die Kostüme einfach mal mit Freunden zu tauschen. Das geht natürlich besser, wenn das Kostüm nicht gleich auseinander fällt, weil es von so schlechter Qualität ist. Oder geh dieses Jahr doch einfach als Müllvermeider, häng dir einen Haufen Jutebeutel um, mit Tupperdosen, Besteck und Becher darin und lehne alles ab, was verpackt ist. Mit einem kleinen Schwips traust du dich vielleicht auch, an der Currywurstbude die Dose aufzuhalten.

So und jetzt die Tassen hoch und ab in die Jecken Tage.