…sondern die Finger in die Erde

Die Gartensaison ist in vollem Gange.  Und auch wir haben dieses Jahr ein Stückchen Garten für uns, um unsere ersten Erfahrungen mit Pflanzensamen und Schnecken zu machen. Nach einem fleißigen 1. Mai mit den Händen in der Erde brennt mir auch dieser Artikel unter den Nägeln. Spätestens nach dem Film 10 Milliarden, wie werden wir alle satt ?, für den wir vor drei Tagen im Kino waren, sind wir mehr als motiviert, einen Teil unseres Gemüses selbst anzupflanzen.

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Olga im Pflanzbeet

Fleisch esse ich eigentlich nur noch, um es von der Tonne zu retten, wenn Vielfleischfresser mal wieder dekadent die Hälfte auf dem Teller liegen lassen. Und Obst und Gemüse kommt lose aus dem Supermarkt. Aber nachdem wir uns die Lieferketten von Biosupermärkten und Lebensmitteln angeschaut haben, bleibt die schockierende Realität zurück, dass auch vieles, was wir lose im Supermarkt kaufen können, bis zur Unkenntlichkeit in Kunststofffolien umwickelt wird. (Nutzt das bitte nicht als Grund nicht verpackungsfrei einzukaufen, denn ein Fortschritt ist es ja immer noch)
Der Wochenmarkt ist aber schon die bessere Alternative. Zumindest die Produkte aus eigener Herstellung garantieren eine relative Regionalität und einen weitgehenden Verzicht auf Verpackung in der gesamten Versorgungskette.

Urban Gardening

Aber noch regionaler und saisonaler und unverpackter und CO²-freier bleibt schlicht und einfach der eigene Anbau. Auch die Alternativen für Städter ohne eigenen Garten werden immer vielfältiger. Sei es der traditionelle Kleingartenverein, der neben dem Gemüseanbau auch ein richtiges Gartenerlebnis bietet, ein schmaler Streifen Acker, vom Biobauern vorbepflanzt von dem fast nur noch geerntet werden muss, oder das wilde Guerilla Gärtnern auf jedem Fleckchen Erde, das hilfsbedürftig in der Stadt vor sich hin vegetiert. Selbst gepflücktes Obst und Gemüse und Kräuter ist kein Landlebenprivileg mehr. Innerstädtische Hochbeete, Zwischennutzung von temporären Brachflächen wie das Neuland in Köln, oder die Streuobstwiesen, begleiten den Trend. Wenn die Städte immer großer werden und die Versorgungswege immer länger, bietet es sich nur an, dort zu produzieren, wo man auch wohnt.

Trotz des positiven Trends ist die Ausbeute aber immer noch gering. So viele Dächer sind ungenutzt, so viele Flächen liegen brach, werden nicht bewirtschaftet oder einfach nur kahl geschoren. Und das meiste Grünzeug, das doch wächst, hat für uns außer grün zu sein, keinen weiteren Nutzen. Warum sind so wenige der städtischen Bäume Obstbäume oder Nussbäume und warum wächst statt Gras nicht Bärlauch oder Petersilie? Einige Initiativen gibt es bereits. Die “Essbare Stadt” kann Wirklichkeit werden. Vielleicht sollten wir einfach selbst und heute damit anfangen…

Saatgut

Wo auch immer ihr euch entscheidet, die Welt mit eurer Bepflanzung zu bereichern, solltet ihr eines bedenken. Saatgut ist nicht gleich Saatgut. Wer sich mit dem Thema etwas auskennt, dem ist wohl bewusst, das der Großteil der Saatgutproduktion heute in der Hand Firmen wie Bayer steckt. Man kann von solchen Firmen denken was man möchte, aber das Saatgut, was da raus kommt kann für niemanden förderlich sein. Sie sind nämlich quasi unfruchtbar, sogenannte Hybride. Es wachst zwar die gewünschte Hightech Pflanze daraus, aber nach einer Saison ist sie kaputt und neues Saatgut muss eingekauft werden. Besonders für ärmere bäuerliche Regionen ist diese Abhängigkeit von eingekauftem Saatgut ein fataler Rückschritt.
Für uns privat Gärtner ist es zum einen ein finanzieller Aufwand, der unnötig ist und zum anderen immer wieder Verpackungsmüll der für die paar Körnchen anfällt, die in einer Packung liegen. Auf dem Weg zur (Müll-)Freiheit wird es Zeit, dass wir unser eigenes Saatgut züchten und sammeln. Aber von welchen Pflanzen, wenn der Hybridanbau schon dominiert? Gut, dass es auch Alternativen gibt. Hybridsamen erkennt ihr an der Aufschrift F1 auf der Verpackung. Wenn ihr diese meidet tut ihr also euch selbst und der Biodiversität eine Wohltat. Am besten kommt ihr damit weg euch eure Samen in Bioläden, in unabhängigen Gärtnereien oder auf Saatgutbörsen zu besorgen. Bei letzteren beiden ist vielleicht sogar die Chance gegeben, die Samen verpackungsfrei zu erhalten.

Sind die Pflanzen dann reif, können deren Kerne geerntet und für das kommende Jahr aufbewahrt werden. Auf Saatgutbörsen könnt ihr diese Samen dann sogar eintauschen und euer Samenfestes Sortiment erweitern.

Vorzucht

Wer sich für die Vorzucht seiner Pflanzen entschieden hat, kennt vielleicht die handelsüblichen Vorzuchtschalen aus verrottbarem Material. Keine schlechte Idee, denn sie können inklusive ihres Töpfchens eingepflanzt werden und müssen nicht pikiert werden. Aber auch wieder etwas, was gekauft werden will, produziert wurde und ganz bestimmt irgendwie unanständig verpackt ist. Bei unserem ersten Müll-Bildungstag in der Grundschule haben wir eine tolle Entdeckung gemacht, die dieses Problem löst: Verrotbare Pflanztöpfchen aus abgerollten Klopapierrollen. Die fallen ja selbst bei uns leider noch an.

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Klorolle 6 x einschneiden

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  Nach innen knicken

 

 

 

 

 

 

 

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Zöglinge

Dazu wird die Klopapierrolle an einer Seite vier mal ca. 2,5 cm tief eingeschnitten, so dass vier gleich große Schnittflächen entstehen. Zwei, sich gegenüberstehende Flächen werden nun erneut bis zur Hälfte der Fläche eingeschnitten.
Die nicht- eingeschnitten Flächen werden als erstes nach innen geknickt. Danach folgen die beiden eingeschnittenen, die mittels dieses Schnittes ineinander geschoben werden können. So halten die Töpfchen zusammen und können und können von oben befüllt werden.


Nützliche Links:

Gartenwelt.de – Wie Pflanzensamen selbst gewinnen.

Sein.de – Infos über die Essbare Stadt

Saatgutkampagne – Adressen / Termine Saatgutbörsen

Mundraum.org – Öffentliche Nutzpflanzen finden

Pflück.org – Es gibt mehr innerstädtisches Obst als du denkst. Hier kannst du helfen es zu retten

Garten teilen – Die einen haben Garten, die anderen haben Zeit zum Gärtnern. Wenn ihr zusammen können wollt, das probiert es mal hier.