Wenn sich endlose Schlangen von Blech zu Stoßzeiten im Stop & Go Modus durch die Straßen schieben, sitzen in der Regel genervte Autofahrer hinter den Lenkrädern, die sich gegenseitig in Gedanken verfluchen und sich wünschten irgendwo zu sein, nur nicht hier.

Nicht jeder hinterm Lenkrad ist in großer Not zu einem wichtigen Termin zu spät zu kommen und doch kennt jeder Autofahrer diffuse Gefühl der Nervosität, Unruhe und Rastlosigkeit am Steuer. Es wird an Nägeln gekaut, geflucht, gehupt und sich gezankt.

Aber was ist es, das es uns so schwer macht, uns mit dieser Situation abzufinden und uns zu entspannen? -Unsere Lage als gegeben hinzunehmen, wie sie gerade ist? Wieso können wir so schlecht akzeptieren, dass keine Aufregung der Welt uns schneller voran bringt?

Ich glaube, dass wir, wenn wir im Stau stehen, tief in uns drin spüren, dass wir hier nicht hingehören. Dass es absurd ist, was wir tun, wenn wir uns in die Blechlavinen einreihen. Dass wir nicht im Stau stehen, sondern wir die Ursache für den Stau und somit Teil des Problems sind.

Solange der Wagen flüssig läuft, weicht das Gefühl der Gemütlichkeit oder dem Fahrspaßes. Aber wenn es langsamer wird, wird die Stimme wieder lauter. Die Stimme, die uns darauf hinweisen möchte, wie wir mit dazu beitragen, unsere Welt dem motorisierten Verkehr unterzuordnen und alles darauf auszurichten. Wie wir uns, sobald wir aussteigen und zu Fuß gehen oder Radfahren unterordnen und uns tagtäglich an fahrenden und ruhenden Autos vorbei zwängen. Wir fühlen unterschwellig, dass wir immer mehr unseres natürlichen Lebensraums opfern, um Platz für unsere Autos zu schaffen, dass selbst ein Auto, dass nicht fährt, im Weg rum steht. Wir spüren, dass dieser Zustand nicht unserem Naturell entspricht und sich unsere Seele wünscht den Motor auszumachen und Ruhe einkehren zu lassen und über die Straße zu gehen ohne nach links und rechts gucken zu müssen.

Aber was uns in diesem Momenten wohl am meisten schmerzt ist, dass wir auch genau wissen, dass wir nicht auf die Stimme hören werden und die Erinnerung an sie verdrängen werden, sobald die Räder wieder rollen…

Spätestens wenn wir dann zu zweit in Köln mit der Straßenbahn fahren und den Preis der Tickets gegenrechnen mit der gleichen Strecke im Auto, muss das auch niemanden mehr wundern. Solange der öffentliche Nah- und Fernverkehr nicht stärker gefördert und bedeutend günstiger wird als das Auto können wir uns die ganzen Forderungen, wir sollten mehr Bus und Bahn fahren, quasi sparen. Ein großes Lob an die, die es trotzdem tun.

 

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Kleiner Intellektueller Exkurs: Was möchte uns der Erfinder dieses Fahrradständers mit seiner Erfindung sagen?